Uelzen verwendet nur nachhaltiges Pflanzenöl
10.05.2007
Die Stadtwerke Uelzen GmbH setzt nur nachhaltiges, umwelt- und sozialverträgliches Pflanzenöl ein. Sie verurteilt die Zerstörung von Regenwäldern, den umweltschädigenden Betrieb von Plantagen und die Schaffung sozial ungerechter Strukturen für die in den Plantagen beschäftigten Arbeiter.
1. Einsatz von Pflanzenöl zur Energiegewinnung gesetzlich gewollt
Gemäß Stellungnahme des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 2. März 2007 ist der Einsatz von Biomasse zur Energiegewinnung alternativlos.
Das Bundesministerium lehnt einen generellen Ausschluss von Palmöl aus dem Anwendungsbereich des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) kategorisch ab. Vielmehr setzt sich das Ministerium in Übereinstimmung mit der Bundesregierung für die gesetzliche Verankerung einer Zertifizierungsverordnung für Pflanzenöle ein. Der Einsatz nachhaltig produzierten Pflanzenöls entspreche den Zielen des EEG, so das Bundesministerium.
Dem schließt sich der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, an: „Ich halte es für unsere Aufgabe, die Chancen der Palmöle zu nutzen und die Risiken zu minimieren. […] Es gibt dereinst gerodete Flächen, die mittlerweile erodieren, bei denen es eine deutliche ökologische Verbesserung bedeutete, würde dort wieder aufgeforstet werden. Palmöl kann dann die entscheidenden ökonomischen Anreize zur Wiederaufforstung geben.“ Es müssten Bemühungen unterstützt werden, über eine Wiederaufforstung mit Ölpalmen landlosen Bauern eine Verdienstmöglichkeit zu schaffen, so Fell.
Er kommt zu dem Schluss „Wir werden in Zukunft eine Vielfalt von Pflanzenölen aus heimischem und auch aus internationalem Anbau nutzen müssen, um unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.“
Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindliche rechtliche Verpflichtung gibt, hat die Stadtwerke Uelzen GmbH sich selbstverpflichtend darauf festgelegt, nur nachhaltiges, umwelt- und sozialverträgliches Pflanzenöl im Biokraftwerk Uelzen einzusetzen.
Das in Uelzen zum Einsatz kommende Pflanzenöl stammt aus Alt-Plantagen in der Nähe von Kuala Lumpur in Malaysia, in denen früher Gummibäume angebaut wurden. Die Plantagen gehören einem malaiischen Unternehmen, deren Ziele die Förderung eines nachhaltigen Palmenwachstums und einer nachhaltigen Palmölproduktion sind.
In ganz Malaysia ist die Rodung und Abholzung von Regenwald ohnehin seit Jahren gesetzlich verboten und wird rigoros überwacht.
2. Bedeutung der nachhaltigen Umweltverträglichkeit
In der Plantage findet ein gewissenhafter Palmenanbau statt. Es wird streng darauf geachtet, die Unversehrtheit, Struktur und Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten und die effiziente Nutzung von Wasser und Nährstoffen zu steigern. Durch die Zuführung organischer Stoffe wird der Bedarf an Düngemitteln erheblich verringert und das organische Gleichgewicht des Bodens bleibt somit gewahrt.
Schädlinge werden auf natürliche Weise bekämpft. Hierfür gibt es eigens eine Schädlingsmanagement-Richtlinie. Diese umfasst pflanzenspezifische, biologische, mechanische und physikalische Strategien zur Minimierung des Einsatzes von Chemikalien. So werden beispielsweise Nagetiere bekämpft, indem durch das Aufstellen von Nistkästen Schleiereulen angesiedelt werden.
Auf den Plantagen ist der präventive Einsatz von Pestiziden und Herbiziden untersagt.
Um die Bodenerosion so gering wie möglich zu halten, erfolgt kein Anbau von Palmen auf ungeeigneten Böden und Steilhängen. Durch den Einsatz von Bodendeckern wird die biologische Vielfalt und damit Fruchtbarkeit des Bodens gezielt verbessert. Auf diese Weise werden unerwünschte „Unkräuter“ unterdrückt.
3. Einhaltung von sozialen Standards
Die Beschäftigung von Menschen auf der Plantage richtet sich nach strengen Richtlinien für Arbeitssicherheit, für Menschenrechte und Gesundheit. So werden viele Güter und Dienstleistungen von der Plantage direkt im lokalen Umfeld bezogen, um damit die gesamte soziale Stabilität vor Ort erhöht.
Ohne eine Beschäftigung auf der Plantage wären viele Menschen ohne jegliches Einkommen. Die Plantage unterhält Wohnungen, Gebetsstätten, Freizeiteinrichtungen, Schulen und medizinische Einrichtungen. Strom und Wasser werden den Menschen für ihre Häuser zur Verfügung gestellt, was in der Region nicht selbstverständlich ist.
Diese Tatsache ist für die Stadtwerke Uelzen GmbH neben der Umweltverträglichkeit ein gleich gewichtetes Kriterium für die Nachhaltigkeit.
4. Sicherstellung der Nachhaltigkeit
Die Stadtwerke Uelzen GmbH hat sich von der Einhaltung der Kriterien vor Ort überzeugt. Weiterhin ist für die Einhaltung der Nachhaltigkeit eine Herkunftsnachweis- und Nachhaltigkeitsprüfung durchgeführt worden. Die Stadtwerke Uelzen GmbH hat mit dieser Prüfung den Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe e.V. (BBK) mit der Erstellung eines Zertifikates beauftragt.
Zur Info: Der BBK hat mehr als 270 Mitgliedsfirmen und 12 Verbände in seiner Mitgliedschaft, die biogene und regenerative Kraft- und Treibstoffe produzieren. Er setzt sich für eine nachhaltige Wirtschaftsweise in der Biomasseproduktion ein und kontrolliert seit 2004 stichprobenweise die Herkünfte der Übersee-Biomasseströme der Mitglieder.
„Der Gesamteindruck des Auditorenteams von den begutachteten Plantagen und Verarbeitungsanlagen war sehr positiv“, so der BBK in einer vorläufigen Stellungnahme. Die Fertigstellung des Zertifizierungsberichtes erwartet die Stadtwerke Uelzen GmbH für Ende Mai 2007. Er wird der Öffentlichkeit selbstverständlich unverzüglich zugänglich gemacht.
Die Stadtwerke Uelzen GmbH ist als erstes deutsches Energieversorgungsunternehmen dem weltweit organisierten und von Umweltschutzorganisationen ins Leben gerufenen „Roundtable on Sustainable Palm-Oil“ (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) als aktives Mitglied beigetreten. Damit setzt sich die Stadtwerke Uelzen GmbH aktiv dafür ein, dass Palmöl grundsätzlich nur nachhaltig angebaut wird.
5. Anmerkung zur Rodung von Primärwald
Tropen- oder Regenwald wurde in den letzten Jahrzehnten und wird teilweise noch heute illegal von kriminellen Holzhandelsunternehmen geschädigt. Dieses verurteilt die Stadtwerke Uelzen GmbH auf das Schärfste!
Der einzige ökonomische Grund für dieses Vergehen war und ist die Gewinnsucht der Tropenholz-Mafia, die aber mit den Biokraftstoffbauern nichts zu tun hat.
Für den Anbau von Sojapflanzen, Sonnenblumen oder Palmen Tropenwälder zu roden, ist absolut unökonomisch, da die Rodung von Tropenholzflächen ca. 5000 Euro/ha kostet und damit ein Vielfaches teurer ist, als brachliegendes Ackerland in den Schwellenländern.
Was nicht geschehen darf ist, dass Biokraftstoffe in einem Atemzug mit der Urwaldzerstörung genannt werden. Eine globale Diffamierung schadet dem positiven Image der Biokraftstoffe. Durch negative Pauschalurteile wird der wirtschaftlichen Entwicklung in den Schwellenländern ein hoher Schaden zugefügt.
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